case study
rezeptkarten
inhalt
Projektziel
Entwicklung eines spielerischen Rezeptkarten-Systems, das Kindern ermöglicht, ein Rezept für Kürbisbrötchen selbstständig, sicher und gemeinsam umzusetzen – unabhängig von Lesekompetenz.
Nutzungskontext
Kochen-Workshop in der Gruppe
Lernen durch Tun, Nachmachen und Erleben
Primäre Nutzer:innen
Kinder im Alter von ca. 3–7 Jahren
Unterschiedliche motorische und kognitive Fähigkeiten
Teilweise noch keine oder eingeschränkte Lesekompetenz
Sekundäre Nutzer:innen
Erwachsene (Eltern, Pädagog:innen)
Verantwortlich für Sicherheit, Vorbereitung und Backofen
Pain Points
Klassische Rezepte sind textlastig und für Kinder schwer verständlich
Kinder können Reihenfolge von Schritten selbst nicht erkennen
Unterschiedliche Lesefähigkeiten führen zu Ungleichgewicht in der Gruppe
Erwachsene müssen häufig eingreifen und steuern
Sicherheitsschritte (z. B. Backofen) sind für Kinder nicht geeignet
Lösungs-konzept
Ein Rezept als Kartenspiel, bestehend aus:
Vorderseite:
Grafiken mit Zutaten, Werkzeugen und AktivitätenRückseite:
Kurze, einfache TextanweisungenNummerierung:
Klare Reihenfolge aller SchritteZwei Ebenen:
Kinderkarten (Zubereitungsschritte)
Kurze Anleitung für Erwachsene (Vorbereitung & Backofen)
Das Rezept ist in sehr kleine, überschaubare Schritte aufgeteilt.
User Flow (Kinder)
Karten liegen offen auf dem Tisch
Kind wählt die nächste Karte anhand der Nummer
Kind erkennt Bild (Zutat / Tätigkeit)
Kind, das lesen kann, liest die Rückseite vor
Gruppe führt die Aktion gemeinsam aus
z. B. Kürbis reiben
Prise Salz hinzufügen
Nächste Karte wird ausgewählt
Ergebnis:
Alle Kinder sind aktiv beteiligt – unabhängig von ihren Fähigkeiten.
User Flow (Erwachsene)
Kurze Vorbereitung anhand der Erwachsenen-Anleitung
Backofen vorheizen
ggf. Kürbis vorbereiten
Beobachten und Begleiten der Kinder
Eingreifen nur bei Sicherheitsrelevanz
Brötchen in den Ofen schieben
Ergebnis gemeinsam genießen
UX-Prinzipien
Empowerment & Autonomie
Förderung selbstständiger Interaktion und Entscheidungsfindung der Kinder.Visual-First Design
Priorisierung visueller Informationen gegenüber Text zur Unterstützung unterschiedlicher Lesekompetenzen.Sequenzielle Führung (Progressive Disclosure)
Klare Schritt-für-Schritt-Struktur durch Nummerierung zur Orientierung im Ablauf.Inklusives Rollenmodell
Ermöglichung unterschiedlicher Rollen ohne Ausschluss, angepasst an individuelle Fähigkeiten.Learning by Doing & Positive Feedback Loops
Wissensvermittlung durch aktive Handlung und unmittelbare Erfolgserlebnisse.
Testing Phase
Für die erste Testphase wurden analoge Prototypen (Dummies) eingesetzt. Die Rezeptkarten wurden in einfacher, ausgedruckter Form genutzt, um Aufbau, Reihenfolge und Verständlichkeit ohne technische Ablenkung zu testen.
Während des Workshops wurden folgende Aspekte beobachtet:
Erkennbarkeit der Grafiken und Symbole
Verständlichkeit der einzelnen Handlungsschritte
Nutzung der Nummerierung zur Orientierung im Ablauf
Rollenverteilung zwischen jüngeren und älteren Kindern (Auswahl und Vorlesen)
Umfang des Unterstützungsbedarfs durch Erwachsene
Motivation der Kinder durch aktives Mitmachen
Reduzierter Eingriff durch Erwachsene
Der Einsatz analoger Prototypen ermöglichte schnelle Anpassungen, direktes Feedback und eine realitätsnahe Beobachtung des Nutzerverhaltens. Die gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die anschließenden inhaltlichen, visuellen und strukturellen Optimierungen.
Optimierungen nach der Testphase
Präzisere Textanweisungen:
Die Texte auf der Kartenrückseite wurden inhaltlich überarbeitet und genauer formuliert. Sie beschreiben nun klar was zu tun ist und wie die Handlung ausgeführt wird, um Missverständnisse zu vermeiden.Überarbeitung der Bildsprache:
Die Illustrationen wurden durch klarere, reduzierte Grafiken ersetzt, da diese von den Kindern schneller erkannt und eindeutig zugeordnet werden konnten.Verbesserte Verständlichkeit der Schritte:
Jede Karte enthält nur eine einzelne, klar definierte Aktion, um Überforderung zu vermeiden und den Ablauf übersichtlich zu halten.Digitale Weiterentwicklung (Ausblick):
Die Rezeptkarten sind als digitale Version geplant, sodass sie auf Tablets oder Laptops genutzt werden können. Eine integrierte Vorlesefunktion soll die Inhalte laut wiedergeben und damit die Barrierefreiheit erhöhen sowie Kinder ohne Lesekompetenz zusätzlich unterstützen.
Ergebnis & Mehrwert
Gleichberechtigte Partizipation aller Kinder
Förderung von Selbstwirksamkeit und Teamarbeit
Spielerisches Heranführen an Lesen und Kochen
Reduzierte kognitive Überforderung
Entlastung der Erwachsenen
Fazit
Das Rezeptkarten-Spiel übersetzt ein komplexes Rezept in ein kindgerechtes, interaktives UX-System, das Lernen, Spielen und Kochen verbindet. Durch klare Visualisierung, kleine Schritte und eine durchdachte Rollenverteilung wird Kochen zu einer positiven, selbstbestimmten Erfahrung für alle Beteiligten